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Ein ernstes Problem in den kommenden Jahren dürfte für viele Unternehmen und Selbstständige und vor allem auch den Staat, die Länder und Kommunen die Schuldenlast sein, die die Pandemie hinterlässt. Wer gegenwärtig noch dabei ist, nach weiteren Quellen notwendiger Liquidität zu suchen, darf nicht vergessen, auch in die Zukunft zu schauen: Wer soll das bezahlen? 

In der Kreuzfahrtindustrie gibt es bei solchen Überlegungen mehrere Ansätze. Zurzeit grübeln die Planer bei den Produzenten darüber nach, mit welchen Preisen sie nach den allmählich auslaufenden Pandemieeinflüssen wieder mit voller Kapazität auf den Markt zurückkehren können. Michael Thamm, CEO der Costa-Gruppe, zu der auch AIDA gehört, nannte kürzlich 15 bis 20 Prozent als die Preiserhöhungsquote, die seine Unternehmen brauchen, um neben dem Schuldenabbau auch noch eine vertretbare Rendite zu erzielen.

Dabei ist jedoch der Passagier ein großer Unbekannter. Wird er vor allem im Volumenmarkt Preiserhöhungen akzeptieren? Es wird wohl sehr schwierig sein und bedarf einer Reihe von „Preisfindungsversuchen“, um eine optimale Bandbreite zu erkennen. Außerdem wird sich möglicherweise die Einnahmestruktur anpassen müssen. An-Bord-Umsätze wie Landausflüge, Unterhaltung und Getränke dürften an Bedeutung zunehmen und man könnte auch darüber nachdenken, ob nicht eine höhere Servicegebühr den Gesamtumsatz stärken könnte.

Aber die Reedereien müssen nicht nur auf ihre Umsätze, sondern auch auf sehr genau auf ihre Ausgaben achten. Das gilt insbesondere für die Provisionen, die sie dem Vertrieb zahlen müssen. Denn der wird mit den bisherigen Quoten und Umsatzstufen kaum in der Lage sein, Renditen und Schuldenabbau zu stemmen. Die von vielen Reedereien inzwischen angehobene Mindestprovision in Höhe von zehn Prozent ist das Mindeste, was der Vertrieb verlangt. Er wird auch darauf achten, ob vor allem im Volumenbereich Angebote von weniger als 600 oder sogar bis unter 500 Euro für eine Woche Mittelmeer mit An- und Abreise noch sinnvoll bearbeitet werden können.

Diese Überlegung stellten kürzlich auch Kuoni und Hotelplan in der Schweiz an. „Wir haben uns schon vor der Pandemie überlegt, ob wir überhaupt noch Angebote von Costa, AIDA, MSC Cruises oder TUI Cruises bearbeiten und haben uns dagegen entschieden“, sagt Cornelia Gemperle, Chefin von Kuoni Cruises in Zürich. Das bedeutet, Reisebüros, die bisher Buchungen für die vier Reedereien über Kuoni abwickelten, müssen das künftig direkt mit den Reedereien erledigen. Das gilt für den Fremdvertrieb, auf den rund 60 Prozent der Buchungen entfallen, wie für die eigenen Filialen. Kein Wunder, denn bei einer Provision in Höhe von 15 bis 16 Prozent muss Kuoni zehn Prozent an die Agenturen abgeben, es verbleibt eine viel zu niedrige Marge. „Wenn dann noch Produkte hinzukommen, die kompliziert sind sowie Einflüsse der Yield-Abteilung der Reedereien, lohnt es sich für uns nicht mehr“, so Gemperle. Beratung und Know-how-Transfer muss daher in Zukunft verstärkt der Außendienst der Reedereien übernehmen.

Ähnlich argumentiert Oliver Hiltpold, Direktor Touroperating Hotelplan & Migros Reisen. Als Ausgleich will Gemperle künftig höherwertige Produkte fördern und die Angebotspalette sogar mit kleineren Schiffen – wie Yachten – und andere Nischenprodukte ausbauen. Hinzu kommt auch bei Kuoni, dass der Stellenabbau des Konzerns auch die Cruise-Abteilung trifft. Er dürfte durch die Buchungsreduzierung leichter zu bewältigen sein. Aus Sicht ausländischer Anbieter ist das Herunterfahren der Buchungsbearbeitung und die Einstellung der Reisebürounterstützung deutlich leichter in der Schweiz als in anderen europäischen Märkten durchzusetzen, da dort gehobene Ansprüche und die damit verbundenen höheren Preise aufgrund des höheren Durchschnittseinkommens auch durchsetzbar sind. Aus Sicht der betroffenen Reedereien dürfte sich jedoch wenig ändern. Lediglich auf den Außendienst kommt mehr Beratungsbedarf zu. 

Ein ganz anderer Aspekt ist die Zunahme der Direktbuchungen. Die dürften in ganz Europa zunehmen. Aber richtig Fahrt aufnehmen werden diese Direktverkäufe wohl erst, wenn die Buchungen einfacher werden. Davon ist die Kreuzfahrtindustrie jedoch noch weit entfernt und gilt unverändert als erklärungsbedürftig. Wer aber Volumenschiffe füllen will, braucht das „Angebot von der Stange“, das es bei vielen Pauschalreisen, dem wichtigsten Angebot, bereits gibt. Sicherheit ist nach den Erfahrungen, die viele Reisende in diesem Jahr bei den oft skandalösen Zahlungsabwicklungen und bei den Schutzmaßnahmen gemacht haben, zu einem wichtigen Kriterium geworden.

Das Corona-Virus bringt nicht nur schon vor Ausbruch der Krise schlecht finanzierte Unternehmen in Schwierigkeiten. Mit zunehmender Dauer der Pandemie schwinden auch die Liquiditätsreserven solide aufgestellter Firmen. Am schlimmsten ist die Perspektivlosigkeit, die alle belastbaren Planungen unterbindet. Im Tourismus führt das besonders im Vertrieb zu anschwellenden  Insolvenzzahlen. Fast täglich müssen jetzt Reisebüros, die auch mit Hilfe von Darlehen gehofft haben, die Krise zu überwinden, erkennen, dass die sich häufenden Schuldenlasten nicht mehr zu tragen sind. Denn die zarten Wiederbelebungen im Tourismus werden durch die wellenartige Bewegung des Corona-Virus, die den Reiseverkehr immer wieder unvorhersehbar zum Erliegen bringt, unplanbar. Es reichen schon einige Corona-Fälle an Bord eines Schiffes oder unvorhersehbar schnell steigende Erkrankungsfälle aus, um den Start einer Reise zu verhindern oder ihren Verlauf zu verändern.

Betroffen davon sind nicht nur Veranstalter, sondern mit voller Wucht auch die Reisebüros. Wer hätte vor einigen Monaten geglaubt, dass das Virus beispielsweise so renommierte und alteingesessene Reisebüroketten wie Fahrenkrog in Kiel oder Papageno in Österreich in die Knie zwingen würde? Es werden vermutlich noch sehr viele ähnlich aufgestellte Agenturen folgen. Noch sind es vorwiegend die sehr kleinen Betriebe, die trotz harter Gegenwehr – oft unter Einsatz zeitaufwendiger, unbezahlter Mehrarbeit – diesen Weg gehen müssen. Aber der Druck erreicht inzwischen auch Kettenmitglieder.

Dabei ist ein Phänomen zu beobachten, das sich mit der weit entwickelten Wohlstandsgesellschaft und dem kapitalistischen Wirtschaftssystem erklärt. Erstaunlich viele Mittelständler sind nämlich nicht bereit, die in den vergangenen Boom-Jahren erzielten privaten Gewinne jetzt in der Not anzugreifen. Das macht für sie nur Sinn, wenn ein zeitlich absehbares Ende der Krise feststeht, das Geld also nicht von vornherein verloren ist. Gutes Geld dem schlechten nachwerfen nennt das der Volksmund. Selbst die Tatsache, dass viele Hausbanken sich weigern, Darlehen zu gewähren, die zu 90 Prozent durch staatliche Bürgschaften abgesichert sind, deutet auf eine solche fehlende Bereitschaft hin. Die Geldinstitute kennen ihre Kunden sowie deren finanzielle Situation und ihre Einstellung zur Wahrung der eigenen Pfründe sehr genau und auch deren geschäftliche Schuldenlast, die, wenn überhaupt planbar, erst nach vielen Überschussjahren getilgt werden kann. Darauf zielen auch die strengen Bedingungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die schon vor der Krise verschuldete Unternehmen sowie Firmen, die keine nachhaltige Liquiditätsvorsorge vorweisen können, nicht unterstützt. Diese Unsicherheit vergrößert sich übrigens noch durch die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht.

Für zehntausende von Mitarbeitern, die gegenwärtig noch in der vermutlich auf zwei Jahre verlängerten Kurzarbeit stecken, dürfte allerdings allein die Vermutung, ihr Arbeitgeber pausiere mit Hilfe eines gut gefüllten privaten Ruhekissens, das durch die Insolvenz ihres Unternehmens nicht angegriffen wird, kein Trost sein. Für sie wäre ihr täglicher Kampf sicherlich etwas leichter, wenn auch bei ihren Arbeitgebern die Einstellung von Phoenix Reisen eine breitere Anerkennung finden würde: „Wir haben alle unsere Mitarbeiter an Bord weitgehend auf unsere Kosten in ihre Heimatländer zurückbefördert und werden sie auch nicht für Reisen ins Blaue, die nicht nachhaltig planbar sind, aus Verantwortung ihnen gegenüber zurückholen.“ In einer Demokratie genießt das Individuum nicht nur ultimative Macht, sondern trägt auch ultimative Verantwortung. Ein Solidaritätsgedanke, der in den Industrieländern leider etwas in Vergessenheit geraten ist.

Eine weitere Folge der Krise in den nächsten Monaten wird eine deutliche Konzentration in der touristischen Vertriebslandschaft sein. Einige Reisebüros werden versuchen, sich unter das Dach einer größeren Gruppe zu flüchten. Daraus ergibt sich eine veränderte Marktstruktur. Die Veranstalter werden es mit größeren Partnern zu tun haben, die selbstbewusster Forderungen stellen werden. Verlieren dürften die vielen kleineren inhabergeführten Agenturen.

Noch steigt weltweit die Zahl der Neuerkrankungen durch das Corona-Virus. Gleichzeitig steigt jedoch auch die Zuversicht, dass bereits im ersten Halbjahr 2021 mehrere Impfstoffe zur Verfügung stehen werden. Veranstalter und Reedereien in der Kreuzfahrtbranche stehen nun unter doppeltem Druck. Einerseits müssen noch monatelang Reisen unter Corona-Bedingungen kreiert und verkauft werden, andererseits heißt es schon jetzt, sich auf eine „Normalisierung“ der Abläufe an Land und an Bord vorzubereiten. Das betrifft sowohl die Einstimmung der eigenen Mitarbeiter wie auch der Kunden und hier vor allem der Bestandskunden. 

Die Mitarbeiter haben in den vergangenen Monaten sehr unterschiedliche Erfahrungen in ihren Unternehmen gemacht. An erster Stelle standen die langen arbeitsfreien Tage, in denen sie in Kurzarbeit geschickt wurden. Wo es möglich und auch dringend notwendig war, wurden Home-Offices eingerichtet. Das bereitete vielen Mitarbeitern erhebliche Probleme. Und das nicht nur technischer Art, sondern auch im Verhältnis zum familiären Umfeld. So schön es auch anfangs gewesen sein mag, intensiver familiäre Nähe zu erfahren, Studien weisen auf eine zunehmende Gereiztheit und Konflikte hin. Für das Management eines Unternehmens bedeutet das eine große Verantwortung. Auch wenn die Mitarbeiter die Maßnahmen zur Einsparung von Kosten zunächst verstehen und akzeptieren, brauchen viele von ihnen die Fürsorge und Betreuung durch ihr Unternehmen. Daran sind leider sehr viele Manager kläglich gescheitert. Nur wenige haben sich die Zeit genommen, die Mitarbeiter in regelmäßigen Abständen zu informieren, ihnen Dank für ihr Engagement auszusprechen oder ihnen individuelle Hilfe im Einzelfall anzubieten. So etwas ist nicht wie sonst üblich mit einer Weihnachtsfeier oder einem Betriebsfest zu erledigen. 

Mit dem Auslaufen der Pandemie kommen aber auch auf die Kreuzfahrten neue Herausforderungen zu. Auch wenn die „Floskel“, es werde wenig von dem bleiben, wie es einmal war, recht undifferenziert gebraucht wird, kommt es zu einer punktuell veränderten Arbeitswelt. Dazu zählt insbesondere der deutliche Fortschritt im digitalen Bereich. Es dürfte mehr Video-Konferenzen geben, die Arbeitszeiten werden auch durch die Schaffung von mehr Home-Offices flexibler und an Bord dürften einige der strengen Gesundheitsvorschriften beibehalten werden. Darauf müssen die Mitarbeiter schon jetzt sukzessive vorbereitet werden. Hinzu kommt, die Veranstalter und Reedereien haben es künftig mit deutlich weniger, aber dafür umso selbstbewussteren Vertriebspartnern zu tun. Wer glaubt, er könne es noch mit von den Reisebüros oder Online-Vertrieben als wenig „fair“ empfundenen Bedingungen schaffen, sie zum Partner zu machen, dürfte sich täuschen. Erste neue Kooperationsabkommen zeigen jetzt schon an, wohin die Reise geht. Auch wenn zunächst zu erwarten ist, dass in den ersten Monaten der Nach-Corona-Zeit wieder eine kräftige Nachfrage nach Reisen vorhanden sein wird, darf man sich nicht täuschen: Die hohen Umbuchungszahlen und der Wunsch vieler Bestandskunden, endlich wieder einmal eine Seereise unter normalen Bedingungen antreten zu können, trifft auf eine spürbare Buchungszurückhaltung im Neugeschäft. Außerdem dürfte der gegenwärtige Trend zum sehr kurzfristigen Buchen zunächst anhalten. Gewinner dürfte dabei zunächst die Pauschalreise sein, genau das Segment, von dem sich die Kreuzfahrt eigentlich hohe Zuwachsraten durch Abwerbung verspricht. 

Die Stimmungslage unter den Kunden, Grundlage einer erfolgreichen Marketingstrategie, gibt eine neue Studie wider. Dort heißt es: In der Corona-Krise zeige sich keine Spur von der sprichwörtlichen „German Angst“. Im Gegenteil: Die Ergebnisse einer R+V-Langzeitstudie „Die Ängste der Deutschen“ belegen, dass in dieser Ausnahmesituation viele Sorgen in den Hintergrund treten. Im Fokus stehen 2020 die wirtschaftlichen Themen, aber „die Deutschen reagieren auf die Pandemie keineswegs panisch. Das verdeutlicht der Angstindex – der Durchschnitt aller abgefragten Ängste“, sagt Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters. „Viele Sorgen gehen zurück. Deshalb sinkt der Index aller Ängste von 39 auf 37 Prozent und erreicht damit den niedrigsten Wert seit Beginn der Umfrage im Jahr 1992.“ Zum 29. Mal hat das Infocenter der R+V Versicherung rund 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt. Erstaunlich gering ist in diesem von Corona dominierten Jahr die Angst vor einer schweren Erkrankung. Sie liegt bei 32 Prozent (Vorjahr: 35 Prozent). Aber gilt das auch für COVID-19? Das R+V-Infocenter hat nachgefragt. „Ebenfalls nur etwa jeder dritte Befragte fürchtet sich davor, dass er selbst oder die Menschen in seinem Umfeld sich mit dem Coronavirus infizieren könnten“, erklärt Römstedt. Die Gelassenheit zeigt sich auch bei einer weiteren Sonderfrage zu Corona: Nicht mehr als 42 Prozent der Befragten befürchten, dass es durch die Globalisierung in Zukunft häufiger zu Pandemien kommen könnte. „Angesichts der rasanten weltweiten Ausbreitung des Virus‘ hätten wir hier höhere Werte erwartet. Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen aber deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“, sagt Römstedt.

Einen massiven Einfluss hat die Corona-Krise auf die wirtschaftlichen Ängste – und wirbelt damit auch die Rangliste durcheinander. Erstmals seit sechs Jahren ist die Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten wieder unter den sieben größten Ängsten. Nach einem Anstieg um acht Prozentpunkte klettert sie von Platz zehn auf Platz zwei und liegt bei 51 Prozent. Andere Wirtschafts- und Finanzängste kommen hinzu. So befürchtet fast jeder zweite Befragte, dass die deutschen Steuerzahler für überschuldete EU-Staaten zur Kasse gebeten werden (49 Prozent, Platz drei; Vorjahr: 44 Prozent, Platz acht). In die Höhe geschossen ist vor allem die Angst vor einem Konjunktureinbruch: Belegte sie im vergangenen Jahr mit 35 Prozent noch Platz 14, springt sie jetzt nach einem Anstieg um 13 Prozentpunkte an die vierte Stelle der größten Sorgen. Arbeitslosigkeit war in den zurückliegenden Jahren des Wachstums eine der geringsten Sorgen. Doch 2020 rütteln Anzeichen einer bevorstehenden Insolvenzwelle viele Deutsche auf. Weit mehr Befragte als 2019 befürchten, dass die Arbeitslosenzahlen in Deutschland steigen

(40 Prozent, plus zwölf Prozentpunkte). Eine realistische Einschätzung, so Professor Schmidt: „Die Befragten wissen, dass in Deutschland – anders als in vielen anderen Staaten – nur die Kurzarbeit einen stärkeren Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhindert hat.“ Auffällig: Den eigenen Job zu verlieren, befürchtet wie im Vorjahr lediglich jeder vierte Berufstätige. „Diese Spreizung überrascht auf den ersten Blick. Aber das Rätsel lässt sich lösen“, erläutert Schmidt. „Von einer gesamtwirtschaftlich zunehmenden Arbeitslosenquote sind nicht alle Befragten gleichermaßen betroffen. Entlassungen treffen derzeit überwiegend Arbeitnehmer, die in durch die Corona-Krise stark angeschlagenen Branchen arbeiten, wie beispielsweise bei Reiseveranstaltern, in Kulturbetrieben oder in der Gastronomie.“

Die innenpolitischen Sorgen – in den vergangenen Jahren stets auf den Spitzenplätzen – haben durchweg an Bedeutung verloren. Am stärksten gesunken sind die Sorgen rund um die Zuwanderung: Nach einem Rückgang von mehr als zehn Prozentpunkten sind sie auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren. 2020 befürchten jeweils 43 Prozent der Befragten, dass es durch den weiteren Zuzug von Ausländern zu Spannungen zwischen Deutschen und hier lebenden Ausländern kommt (Vorjahr: 55 Prozent), und dass der Staat durch die große Zahl der Geflüchteten überfordert ist (Vorjahr: 56 Prozent). Unter die 40-Prozent-Marke gerutscht sind die Ängste vor politischem Extremismus (37 Prozent) und Terroranschlägen (35 Prozent). Unverändert präsent bleiben die Sorgen rund um die Umwelt und das Klima. 44 Prozent der Befragten haben Angst davor, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen wie Dürre, Hitzewellen oder Starkregen betroffen sein wird. Da politische Themen in der Corona-Krise an Bedeutung verloren haben, klettert diese Angst von Platz 13 im Vorjahr jetzt auf Rang fünf. Fast genauso viele Menschen fürchten sich davor, dass Nahrungsmittel häufiger mit Schadstoffen belastet sind (42 Prozent, Rang acht). Angesichts des Klima-Themas in Politik und Gesellschaft ein unerwartet niedriger Wert: Dass der Klimawandel dramatische Folgen für die Menschheit hat, befürchten nicht mehr als 40 Prozent (Rang elf).

Der so ermittelten differenzierten „German Angst“ folgt auch die Kalkulation bei den Kreuzfahrtproduzenten. Eigentlich müssten sie – angesichts ihrer Überschuldung – in den kommenden Jahren mit einem höheren Preisniveau reagieren. Das wird sehr schwierig. Denn angesichts der Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes und der notwendigen Wiederaufstockung finanzieller Reserven war auch der Wiedereinstieg aus Sicht vieler Passagiere keine Meisterleistung der Hochseereedereien. Statt einer gründlichen Vorbereitung wurden Reisen ausgeschrieben, die dann – teilweise sogar mehrfach – abgesagt wurden oder den schnell wechselnden Reisebeschränkungen zum Opfer fielen. Erst allmählich lernen einige Unternehmen aus ihren Fehlern und müssen nun versuchen, das Vertrauen ihrer Kunden zurückzugewinnen. Dazu sollte jede Gelegenheit genutzt werden. Mitarbeiter, Partner und Kunden brauchen „Mutmacher“. Sie haben es verdient.

„Versuchen Sie, elastisch im Gehirn zu bleiben“, wünschte der polnische Stadtführer in Stettin seiner deutschen Besuchergruppe beim Abschied. Seinem Tonfall nach konnte man durchaus davon ausgehen, dass er einige Fragen seiner Gäste während des vergangenen Rundganges als Zumutung empfunden haben muss und deren Wertung vorsichtig mit seinem Wunsch umschrieb.

Fragen zwischen naiv, dämlich und sachbezogen sind allerdings immer von Besuchergruppen zu erwarten. Das bekommen in der Kreuzfahrt insbesondere die Mitarbeiter/innen der touristischen Abteilung bei Ausflügen zu spüren. Da die Mehrzahl der Passagiere getreu dem Motto: „Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben“ bereits ein gewisses Alter erreicht haben, spielt bei Auslandsreisen auch eine gewisse Unsicherheit mit. Fremde Sprachen, fremde Sitten, fremdes Essen, ungenaue Geschichtskenntnisse (wie im oben erwähnten Fall über Polen) werden oft durch eine Gruppenzugehörigkeit kompensiert, in der man sich sicherer fühlt.

Daher ist es auch so wichtig, eine Bezugsperson in Form einer von der Reederei gestellten touristischen Begleitperson mit jeder Gruppe auf einen Ausflug zu schicken. Die überlässt dann zwar erleichtert der jeweiligen lokalen Reiseleitung das Mikrofon, bleibt aber die Bezugsperson für die Gruppe.

Die Landgänge oder Entdeckungsreisen sollten eigentlich nicht nur das Kennenlernen neuer Landstriche oder Zielorte vermitteln, sondern auch dazu beitragen, das „Fremde“ mit anderen Augen zu sehen. Der Sinn des Reisens bestehe darin, die Vorstellungen mit der Wirklichkeit anzugleichen, und anstatt zu denken, wie die Dinge sein könnten, sie so zu sehen, wie sie sind. Der Tourist zerstört, was er erwartet, indem er es findet.

Diese philosophische Interpretation geht natürlich völlig verloren, wenn Kreuzfahrten nur noch aus Reisen ohne Landgang bestehen, wie sie das Corona-Virus zurzeit hin und wieder erzwingt, wobei die Mitreise einer Reihe von Lektoren, die an Bord erklären, was am Horizont zu sehen ist, den Landgang kaum ersetzen kann. Drei Stunden Guido Knopp bei Youtube sind da wirkungsvoller. Die Berührung mit dem „Fremden“, die Erfahrung, dass es so schlimm ja doch nicht ist, bleibt dabei aus.

In den USA probieren die Kreuzfahrtreedereien ein neues Kreuzfahrtmodell aus. Die Schiffe werden immer größer und damit auch die Vielfalt der Angebote an Bord. Diese Schiffe ziehen ein jüngeres Publikum an, das sich weniger weiterbilden, sondern einfach nur „Urlaub“ machen, Spaß haben möchte. Diese Angebotsform wurde schon im vergangenen Jahr vor allem in den USA konsequent ausgebaut mit einer Reihe von Testfahrten.

Unter Bezeichnungen wie beispielsweise „Perfect Day“ (Royal Caribbean) wurden Kurzreisen aufgelegt, die nur noch eine reedereieigene Insel und – je nach Dauer – höchstens noch eine oder zwei weitere Stationen im Programm haben. Damit erreichte der Vertrieb den Kern einer neuen Nachfrage, die nur nach Zerstreuung, Amüsement und intensiver Kommunikation sucht und dafür ein Angebot an möglichst breit gefächerten Vergnügungs- und Shoppingmöglichkeiten braucht. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Spa-Bereich sowie alle Arten sportlicher Betätigung und viel Musik am Abend zum Feiern, Tanzen oder auch nur zum Zuhören. Aufwendige Shows sind dabei kein Renner, Comedy reicht.

Da der Aufenthalt auf der eigenen Insel sich über eine längere Zeit erstreckt als die sonst üblichen Kurzaufenthalte während einer Kreuzfahrt, muss dort ebenfalls für viel Abwechslung gesorgt werden. Der Vorteil für die Reederei: Alle Einnahmen fallen unter die Rubrik „An-Bord-Umsätze“, die damit zum dominierenden Standbein des Umsatzes und der Rendite bei diesen Fahrten werden.

Die ersten Versuche, Kreuzfahrten von Landgängen zumindest teilweise abzukoppeln, sind sehr positiv verlaufen. Die Reedereien berichten von vielen Neukunden, vorwiegend jugendliche Neueinsteiger, die noch nie eine Kreuzfahrt gemacht haben. Im Ansatz ist das Angebot mit der Anziehungskraft des „Ballermanns“ auf Mallorca zu vergleichen. Mit diesem Experiment beweist die Kreuzfahrt, dass sie durchaus in der Lage ist, ihr Gesamtangebot noch weiter als bisher angenommen auffächern zu können. Sollte sich dieser Teilmarkt erfolgreich durchsetzen, sind „Partyschiffe“ mit mehr als den bisher 6.500 Passagieren an Bord durchaus denkbar. Auch im Zeichen der Pandemie dürften sich Hygienekonzepte hier leichter durchsetzen als in der sonst üblichen Angebotsform.

Der Island- und Grönlandspezialist Iceland ProCruises, Hamburg, hat den Chartervertrag für das Schiff OCEAN DIAMOND vorzeitig um zwei Jahre bis zum Jahr 2024 verlängert. Es ist bereits die dritte Verlängerung des Charter-Vertrags. Grund ist die positive Entwicklung der Passagierzahlen, so die beiden Geschäftsführer von Iceland ProCruises, Ann-Cathrin Bröcker und Gudmundur Kjartansson. Wegen der großen Nachfrage wurde das Programm um eine zehntägige Island Umrundung und eine achttägige Express Umrundung erweitert. Unverändert sind zwei Fahrten nach Grönland vorgesehen.

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